Name

FaMaMo (Fanny Mannie Mobil)

Geboren
1980
Berufung
Wanderkuh, Rebellion  gegen Korrosion

Vorlieben
auf fremden Weidegebieten pausiere

Hersteller
Daimler-Benz
Motor
OM-314 Diesel
Hubraum
3758 cm3

Diesel
120 L
Frischwasser
120 L
Abwasser
80 L
Solaranlage
2 x Monokristalline Module  je 90 WP
Solarbatterie
AMG 200 Ah
Laderegler
Votronic MPP 320 Duo digital
Gasversorgung
LPG Alugasflasche mit Tankadapter

Bereiste Länder
viele

geeignetes Fahrzeug

Vor gut drei Jahren geisterte durch unsere Wohnung  die Frage welches WoMo will zu, um uns ein Jahr lang die endlichen Weiten zusehen. Bei einem PKW-Kauf kann man eine solche Fragestelllug sehr schnell beantworten, zumindest wenn man schon immer einen Mercedes W123 fährt und dieser selbst nach 30 Jahren noch immer zuverlässig auf einen wartet um die Gegend zu erkunden.  Gut, nach dieser Überlegung war klar der Benz bekommt einen großen Bruder, denn was in klein gut ist kann ja in groß nicht schlecht sein. Nun folgte eine einschlägige Internetrecherche und die Verwirrung war perfekt. In diesem Punkt waren wir uns einig, ein neues Wohnmobil wird es nicht werden. Dafür gab es zwei Gründe, neue Mobile sind a) zu teuer und b) kann die Elektronik im nirgendwo von  Iran, Pakistan usw. wohl sicher nicht jeder zweite mit einem schweißenden schraubenlösenden Plökkelhammer reparieren. Ein weiterer Entschluss wurde also in Stein gemeißelt ” WoMos mit schwarzen Elektronikboxen in denen 3 Kabel rein und 4 Kabel wieder raus gehen sind ungeeignet”, weil einem wahrscheinlich keiner helfen kann wenn man eine Panne hat. Wer an dieser Stelle denkt das nur noch wenige Modelle in Frage kommen der täuscht sich gewaltig,  denn die Größe muss noch zugeschnitten werden. Gern hätte ich einen James Cook 310D  gekauft. Meine Frau konnte mich dann davon überzeugen, dass bei besonders schlechten Straßen oder wenn die Schlaglöcher so groß sind das kleine Kinder drin spielen könnten der James zu keine Räder hat. Da Fanny für die Navigation zuständig ist und somit auch die Straßenverhältnisse kennt muss es also eine Kategorie größer sein. Folglich, schauten wir uns unzählige Düdos an. Ein solches Auto hat nicht nur große Räder sondern man kann im Innenraum stehen, hat ein Festbett mit Lattenrost, eine “schlaf-gut” Matratze und auch sonst von allem mehr.

Die nächste Stufe ist erreicht, es ist Zeit für die erste Besichtigung eines benutzerwechselwilligen Düdos.

Der Kauf eines Reisegefährten

Das Internet ist eine großartige Errungenschaft wenn man einen Düdo sucht, man kann sämtliche Parameter prüfen ohne mit der sympathischen Gattung Autoverkäufer in Verbindung treten zu müssen. Wenn die Neugier dann größer ist und der Jagdinstinkt erst einmal  geweckt wurde, ist der potentielle WoMo Besitzer schon fast geboren und die ersten Besichtigungstermine arrangiert. So erst einmal die Theorie! Was wir nicht wussten, ist wie lange manche Annoncen auf einschlägigen Seiten schon veröffentlicht sind nachdem ein diese bereits verkauft waren. Mit diesen neugewonnenen Erkenntnissen und ein gutes halben Jahr später hatte Mannie im Januar den ersten Besichtigungstermin für den folgenden Samstag in Hamburg vereinbart. Mannies Mutter hatte sich auch gleich bereit erklärt uns zum Besichtigungstermin zu fahren. Im Großen und Ganzen stand der Plan fest und der Wetterbericht versprach es würde kein Schnee geben also könnte man mit einem 5 t auch 600km sicher durch Deutschland fahren. Als wir am morgen bei Mick dem Düdo Besitzer anriefen um ein Zeit zu vereinbaren erzählte er uns, dass an diesem Samstag noch drei potentielle Käufer vorbeikommen, seit gestern der Lüftermotor nicht mehr anspringt und das der Motor weniger Kilometer gelaufen sei als es im Internet präsentiert wurde. Über Nacht hatte sich zusätzlich noch eine Kaltfront über Deutschland breit gemacht. Auf der Fahrt nach Hamburg zeigte das Außenthermometer im Auto -16°C an. Als wir in die Straße von Mick einbogen, sahen wir den Düdo schon von weitem, er war höher, länger und breiter als sämtliche andere Kraftfahrzeuge welche sonst in der Straße froren. Der strahlend blaue Himmel konnte zur Erwärmung von Hamburg nichts beitragen. Mick befand sich schon im Bus und machte eine Führung soweit dies Ihm möglich war, denn er hatte mit seinem gebrochenen Beim ein Handikap.  Mit unserer Begrüßung wichen ebenso die anderen potentiellen Käufer.Wir konnten uns also in aller Ruhe den Bus anschauen und auf Herz und Nieren prüfen. In einem sehr freundlichen Gespräch berichtete uns Mick wie er bei Dacharbeiten am Bus mit der Leiter stürzte und sich das Bein brach. Außerdem der Bus nur mit Starthilfe ansprang weil den Batterien zerfroren sind und er den Fehler mit dem Lüftungsmotor noch nicht gefunden hat. Es war also nicht nur draußen eiskalt sondern auch in seinem Inneren. Wie fast jedes WoMo hatte auch der Düdo eine Gasheizung, doch Mick hatte sie noch nie benötigt und auch keine Gasflasche, also blieb es im Bus kalt. Mick berichtete uns das er Tischler sei und davon leben sich Wohnmobile in einem mäßigen zustand zu kaufen, diese fachgerecht wieder aufzubauen und dann gewinn-orientiert zu verkaufen. Genauso ging er sehr offen mit allen Ihm bekannten Mängel um wie die kürzlich eingebeulte  rechte hintere Ecke mit der zerstörten Rücklichtkappe.  Folglich, schilderte er uns noch das er mit seinem Arbeitsunfall kein Einkommen mehr hat und er mit dem Erlös aus diesem Busverkauf bis zur Genesung auskommen muss. Es schien das dieser “schwarze Bus” seinen Besitzer trotz der guten Absichten nicht besonders wohlgesonnen war.

Der Motor hatte einen schönen Klang und war nur leicht angeschwitzt, weniger als es beim OM 314 üblich ist. Nun machten wir eine gemeinsame Probefahr,t bei der wir uns über die warme Motorabluft welche der Fahrtwind in den Bus drückte sehr freuten. Beim Fahrverhalten gab es nichts zu beanstanden, der Bus fuhr sich einfach nur gut. Wir interpretierten dieses als ein Zeichen und hörten vom Bus den inneren Wunsch aus seiner frostigen Lage erlöst zu werden. Bei den ganzen offensichtlichen Mängeln war eine Frage noch nicht geklärt, wie viel günstiger als in der Anzeige wird der Bus. Gegen 14:00 Uhr und nach weiterer Preisverhandlung entschieden wir uns für das FaMaMo. Auf der Autobahn, 2 Stunden später, hatten wir  in unserem neu erworbenen Wohnmobil mit Fahrtwind betriebene Heizung bereits einen Temperaturanstieg von  23°C im Vergleich zu den eisigen Außentemperaturen geschafft. Weiterhin fuhren wir mit Tempo 100 km/h über die Autobahn in Richtung Süden bei schönsten Sonnenschein und einer Wohlfülltemperatur von 7°C. Zum bedauern der jungen Wohnmobilbesitzer war die Sonne nur leider am untergehen und es wurde schlagartig spürbar kühler im FaMaMo und die Fingen an zu Frieren. Mannie begann gegen 17:30 auf dem Fahrersitz zu zittern im selben Moment begann die Feuertaufe bzw. Kältetaufe für die Besatzungdes FaMaMos. Bei unseren Stopps trauten wir uns nicht den Motor auszuschalten, denn Mick hatte uns ja versichert das die Batterien von der Kälte in die Knie gezwungen wurden. Somit war an ein gemeinschaftliches aufwärmen nicht zu denken und mehr als ein Kaffee war nicht zu denken, die Fahrt am kältesten Tag im Jahre 2011  musste weitergehen. Als die Uhr 20:15 anzeigte stand auf dem Thermometer 0°C innen und -19°C außen. Bei Laune hielten wir uns mit Erlebnissen von anderen Leidensgenossen und dem Hochgefühl das unser FaMaMo bei -19°C nicht liegen blieb, wie die zahlreichen anderen Autos auf dem Standstreifen.  Gegen 21:00 Uhr hatten wir nur noch eine Stunde Landstraße durchs Gebirge vor uns, es wurde nur noch das Nötigste gesprochen und Fanny versuchte Mannie vom erfrieren abzuhalten oder musste Schnee auf die Frontscheibe werfen um die Sicht in eine Welt aus Schnee und Eis wieder herzustellen. Mittlerweile sanken die Temperatur im FaMaMo  um weitere 2°C innen und 3°C außen. Der sich als so nützlich herausstellende Schnee bereitete uns nicht nur eine saubere Frontscheibe sonder mit dem in Erscheinung tretenden Schnee wussten wir auch das die Zufahrt zur Scheune aufgrund der Hanglage an diesem Abend nicht möglich sein wird. Die Berg und Tal fahrt bei Schnee und -23°C leistete unser FaMaMo ohne Probleme wobei der Motor vorbildlich arbeitet. Somit wussten wir noch am Tag des Kaufes dieser Bus ist der Richtige und die anstehenden Arbeiten sind hoffentlich die Mühe wert. Da wir keine Wahl hatten und nicht auf den Berg kramen parkten wir gegen 22:00 im Tal. Nun gab es ein Heißessbad und der Frost verließ langsam die Knochen. Am nächsten Tag konnten wir es uns sparen den Weg zur Zufahrt zu Räume, denn Mick hatte noch ein Versprechen einzulösen, die Startbatterien mussten erneuert werden. Somit schaute sich das FaMaMo seine neue Heimat an und fror immer noch.

Der Umbau

Erst einmal alles Raus!

FaMaMo vor der Abreise